SZ-Artikel über das Herrenhaus Rattwitz

Perspektive für Herrenhaus Rattwitz

Das Gut im Bautzener Westen hat eine interessante Geschichte. Nun wird eine neue Nutzung gesucht. Erste Vorstellungen dazu gibt es.

Von Carmen Schumann

Rattwitz-SZ-Artikel

Lieselotte Heigl (vorn) lebte als Kind im Rattwitzer Herrenhaus. Jetzt gehört es ihrer Tochter Astrid Dischl (4.v.l.) und sorgt für Familienzusammenhalt. © Carmen Schumann

Bautzen. In Scharen strömen die Bautzener am Sonntag in den westlichen Bautzener Ortsteil Rattwitz. Nach langer Zeit steht das Herrenhaus zur Besichtigung offen. Die Besucher sind neugierig, wie es drinnen aussieht, aber auch darauf, was aus dem prächtigen Gebäude einmal werden soll.

Zu den Gästen gehört auch Karin Buchhorn. „Meine Mutter war Köchin im Tbc-Heim“, sagt sie. Deshalb kenne sie das Haus schon seit ihrer Kindheit. Sie selbst habe dann später als Pflegerin im Seniorenheim gearbeitet. Damit sind schon zwei von drei Nutzungen des Herrenhauses in der Nachkriegszeit genannt. Zuallererst sei der Sitz ihrer Familie nach 1945 für die Unterbringung von Flüchtlingen aus Schlesien genutzt worden, erinnert sich Astrid Dischl, die das Herrenhaus 2007 vom Landratsamt zurückgekauft hat. Zum Tag des offenen Denkmals ist sie zusammen mit ihrer Schwester Bianca Heigl sowie beider Familien in die Heimat ihrer Vorfahren zurückgekehrt. Mit dabei ist auch die Mutter der beiden Schwestern, Lieselotte Heigl.

Als Zwölfjährige erlebte sie mit, wie die Familie von den sowjetischen Besatzern von ihrem Besitz vertrieben wurde. „Das Zimmer, wo heute eine Spielecke für die Besucherkinder eingerichtet ist, war mein Kinderzimmer“, denkt die 84-Jährige wehmütig zurück. Und sie erinnert sich, wie sie mit dem Schlitten den Weg vom Schloss in den Gutshof hinabgesaust ist.

Die 84-Jährige ist glücklich, dass ihre Tochter den Familiensitz zurückgekauft hat. „Vor neun Jahren haben wir hier meinen 75. Geburtstag gefeiert“, sagt Lieselotte Heigl, die die Sächsische Zeitung abonniert hat und in der Ferne regelmäßig liest. Der größte Teil ihrer Familie lebt jetzt in Oberbayern. Das Herrenhaus Rattwitz sei für die Familie ein Identifikationspunkt, ein Zeichen für den familiären Zusammenhalt und die Traditionspflege, sagt Eigentümerin Astrid Dischl.

Seitdem sie das Haus erworben hat, kümmert sie sich um den Erhalt der Substanz. „Wir haben machen lassen, was notwendig ist, um Vandalismus und Wetterschäden zu verhindern“, sagt die Eigentümerin. Das heißt, das Dach wurde repariert und defekte Fenster wurden verschlossen. Durch die jahrzehntelange nicht immer sachgerechte Nutzung sind manche schöne Details beschädigt oder nicht mehr erhalten. Aber die meisten Holztüren sowie Stuckleisten und Rosetten zeugen noch von alter architektonischer Pracht.

Neben der Sicherung der Substanz sei die Familie auf der Suche nach einem Partner, der das Gebäude pachten würde und es einer Nutzung im Sinne der Familie zuführen würde. „Uns schwebt eine kulturell-soziale Nutzung vor“, sagt Astrid Dischl. An dem historischen Charakter des Gebäudes solle möglichst wenig verändert werden. Die Anfrage von Bautzens Baubürgermeisterin Juliane Naumann, ob sich die Eigentümerfamilie am Tag des offenen Denkmals beteiligen würde, sieht Astrid Dischl als eine Chance, um das Anliegen in eine breite Öffentlichkeit zu tragen.

SZ, 11.09.2017

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Tag des offenen Denkmals 2017

Am 10. September 2017 öffnet das Herrenhaus Rattwitz seine Tore für die Öffentlichkeit! Astrid Dischl mit Familie freut sich auf Ihr Kommen und die Teilnahme an diversen Programmpunkten, wie Führungen und Kutschfahrten!

Öffnungszeiten: 10 – 17 Uhr 

Programm:

  • Führungen: jeweils um 11 Uhr, 13 Uhr und 17 Uhr
  • Kinderprogramm mit Kutschfahrten über das Gelände
  • Filmvorführungen zum Thema Denkmalschutz

Darüber hinaus freuen wir uns über inspirierende Gespräche und Ihr Interesse an unserem Gut!

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Tag des offenen Denkmals 2017