Geschichte

Das malerisch gelegene Herrenhaus Rattwitz liegt im Herzen der Oberlausitz. Dieser Landstrich hatte in der Geschichte nie einer Dynastie unterstanden. Von 1158 an – hier datieren wir etwa den Beginn der deutschen Besiedelung der Oberlausitz – bis 1635 waren die Oberlausitzer Gebiete mehr als ein halbes Jahrtausend lang stets böhmisches Reichslehen.

Die Ortsflur von Rattwitz liegt um die Quellenmulde des Jordanbaches. Um 1200 wurde auf diesem Vorposten der Ortenburg Bautzen eine kleine Wasserburg errichtet und mit einem Ritter besetzt. Von den Fluren und Hufen, die den Rittern verliehen waren, wurden Teile den Sorben gegen Zins und Dienst, ganz nach Belieben des Besitzers, überlassen. Die guten und nächstgelegenen Äcker bildeten einen Komplex des Herrengutes, welches in der Regel in eigener Bewirtschaftung des Grundherren lag. Mit seiner Lage unmittelbar an der Via Regia, der berühmten Ost-West-Handelsstraße, war das Rittergut schon immer infrastrukturell optimal gelegen. Die sorbischen Hörigen siedelten sich in einem platzartigen Weiler in der Nähe der alten Wasserburg an. Im Jahre 1562 wurde allen Rittergütern der Oberlausitz die Obergerichtsbarkeit verliehen.

In der wechselvollen Historie von Rattwitz finden sich unter anderem folgende Besitzer und historischen Ereignisse:

1563 Landvogt Graf Joachim Schlick

1568 Abraham von Nostitz

1600 Siegmund von Falkenhain

1620 Adolph von Gersdorff (Landeshauptmann und Defensor der Oberlausitz)

1634 Hans Wolf von Gersdorff

ca. 1649 Wolf von Maxen

1670 Sabina Elisabeth von Maxen
Damals waren noch Wassergräben um das Gebäude der Burg vorhanden. Dazu gehörten ferner Ziegelscheunen, Brennofen, Backhaus, Kornkammern, Stallungen und eine Windmühle.

1674 Hans Wolf von Schönberg richtet ein Gesuch an den Kurfürsten, eine Kirche in Rattwitz erbauen zu dürfen. Dazu kommt es aber nie.

1707 übernachtet der Schwedenkönig Karl XII. auf dem Rückmarsch von Kamenz auf dem Rittergut Rattwitz

1757 zieht Friedrich II., König von Preußen – der „Alte Fritz“ – mit seinem Heer von Schandau kommend bis Rattwitz und nimmt hier Quartier

1777 ist das Rittergut im Besitz von J. C. von Gersdorff (Flurgröße 229 ha)

1824 Graf August Theodor Ferdinand von Marschall

1855 Carl August Jeremias erwirbt das Gut Rattwitz samt Temritz, Oberförstchen, Muschelwitz mit Untertanen und Diensten, die Mühle, das Stück Holz bei Schwarznaußlitz, die Teichwiese zu Göda und den Theilwald auf dem Valtenberg bei Neukirch. Er entstammt einer in der Oberlausitz alteingesessenen, achtbaren Weberfamilie. Bis ins Jahr 1931 bewirtschaftete die Familie das Gut.

1931 Hermann August Symmank übernimmt das Rittergut in Pachtung und betreibt es fortan mit den Schwerpunkten Ackerbau und Viehzucht. Seine Pferdezucht mit zahlreichen Auszeichnungen bis hin zu Staatspreisen machte ihn weithin bekannt.

 

Familie Symmank, © Familienarchiv Heigl

 

1945 Zur Durchführung der Bodenreform wird das Rittergut mit 170 Hektar Bodenfläche zerschlagen und an landarme Bauern und Umsiedler aufgeteilt

1946 Das Herrenhaus mit Park wird der Bauernhilfe übereignet. Es gibt bereits Pläne, das Gebäude abzubrechen und das Material für Neubauwohnungen zu verwenden. Diese Bausünde kann im letzten Moment abgewendet werden.

1948 Abbruch der Brennerei bis 2005 Zu DDR-Zeiten und noch danach wird das Anwesen als Alten- und Pflegeheim genutzt.

2007 Erwerb des mittlerweile anerkannten Kulturdenkmals des Freistaates Sachsen durch Astrid Dischl, Enkelin des letzten Pächters Hermann August Symmank.

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